Zukunftsphantasien und Prognosen: Die Ernährung der Zukunft wird vegan?

Im vorherigen Artikel habe ich die systematische Einteilung von Zukunftsprognosen und die Methodik erklärt. Nun möchte ich die Auswirkung der Zukunft auf unseren Körper diskutieren, speziell die Frage nach der Ernährung. Hier nochmal die Einteilung:

  1. Unser Körper
    1. Ernährung – Die Zukunft wird VEGAN
    2. Gesundheit – Die Zukunft wird genetisch
    3. Umwelt – Mehr Pflanzen weniger Verkehr?
  2. Unsere Seele
    1. Künstliche Intelligenz – Unser bester Freund der virtuelle Sklave
    2. Konsum – Einkaufen im Gehirn und veränderte Reisegewohnheiten?
    3. Entspannung – Veränderte Sexualgewohnheiten
  3. Unser Geist
    1. Schule und Lernen – lebenslänglich
    2. Bedingungsloses Grundeinkommen
    3. Der Klassenkampf der Zukunft

 

The Ladies' home journal (1948) (14767036382)

1. Unser Körper

1. a) Werden wir uns vegan ernähren?

Vorhersage: Ja, die Zukunft wird vegan:

Natürlich gibt es noch Hardcore-Fleischesser, die behaupten ihr Fleisch muss aus der Tierpresse kommen. Schließlich sei es natürlich, dass Menschen Tiere töten. Nun ist der Mensch aber dasjenige Wesen, das sich gerade durch seine Kultur vom Tier unterscheidet, das heißt, wir können uns gegen unsere Natur entscheiden oder gar bestimmen, was unsere Natur sein soll. Selbst wenn es also biologisch richtig wäre, Tiere zu essen, heißt dies nicht, dass wir deswegen so handeln müssen. Der Mensch besitzt die Freiheit, sich zu entwickeln, kulturell und vielleicht sogar biologisch. Dennoch spreche ich nicht davon, dass die Menschheit urplötzlich aus den Lektionen der Geschichte heraus, eine umfassende Ethik entwickelt. Vielmehr glaube ich, dass Ethik einer Ökonomie folgt. Was bedeutet das?

Persönlich glaube ich, dass heutige Tierschützer in der Zukunft einen ähnlichen Rang erreichen werden wie Menschenrechtler aus den 50ern. So wie wir Frauenrechte als das Resultat einer kapitalistischen Kosten-Nutzen-Kalkulation verstehen können, so können wir auch Tierrechte andenken. Die philosophische Anerkennung der Frauen als „frei“ vollzog sich als deren Status als Arbeitnehmerin bereits etabliert war. Die ökonomische Zugkraft bestand darin, die Frau in ökonomische Arbeitsverhältnisse zu integrieren. Im selben Sinn werden auch Tiere in der Zukunft einen anderen Status zugesprochen bekommen.

Zunächst wird es also nicht ökonomisch sein, Tiere zu töten, dann werden wir weniger und weniger Tiere töten. Letzten Endes werden wir unser neu erworbenes Verhalten, nämlich Tiere zu pflegen, als moralisch bezeichnen. Wie wir uns heute nicht mehr vorstellen können, Sklaven zu halten, so wird es auch als unmenschlich gelten Tiere zu töten.

Vor dem Gerichtshof der Geschichte (wie es einst Schiller formulierte), wird sich unsere Zeit als Barbarei darstellen.

Im Spiegel heißt es hierzu „ein Steak aus künstlichem Fleisch, wird es bis 2030 mit hoher Wahrscheinlichkeit geben. Es existieren bereits zahlreiche Start-ups, die Fleisch aus Zellkulturen herstellen. Dabei werden Zellen aus einem lebenden Tier zunächst vermehrt, in großen Bioreaktoren wachsen sie anschließend zu Muskeln und Fett heran. Im Jahr 2016 präsentierte eine US-Firma das erste Fleischbällchen aus Zellkulturen. Es nahm bis zu 90 Prozent weniger Wasser- und Landressourcen in Anspruch als herkömmliches Fleisch.“

Burger aus dem Labor kosten jedoch noch 325.000 Euro. Also ein schmuckes Eigenheim kaufen oder einmal ethisch Fleisch essen. Doch die Nachrichten sind ganz optimistisch:

Der Hersteller des ersten Labor-Burgers schätzt, dass seine Produkte schon im Jahr 2020 etwa 10 Dollar pro Stück kosten werden – und fünf Jahre später so viel wie der günstigste konventionelle Fleischburger auf dem Markt. Spätestens dann steht künstliches Fleisch vor dem Durchbruch.

Die Frage ist nur, ob es dann auch ethisch sein wird Menschenfleisch zu essen? Mir scheint auch, dass gänzlich neues Fleisch gezüchtet werden wird. Ein neuer Fleischmarkt würde entstehen.

Angeblich ist es ja auch schon so weit, so dass der Impossible Burger bereits wie Fleisch schmecke:

In einem kürzlich erschienenen Artikel heißt es recht reißerisch, dass sich der Fleischkonsum seit 2007 um 10 Prozent reduziert hätte. Diese Zahlen gelten aber nur für die USA.

Auf anderen Seiten heißt es, dass die Fleischproduktion im Jahr 2010 von 41.3 kg auf 41.9 kg gestiegen sei.

Worldwide, per capita meat consumption increased from 41.3 kilograms in 2009 to 41.9 kilograms in 2010. People In the developing world eat 32 kilograms of meat a year on average, compared to 80 kilograms per person in the industrial world.

In der folgenden Tabelle habe ich Entwicklungsländer und Industrieländer ausgewählt. Spitzenreiter ist Dänemark mit einem Fleischkonsum von 145 kg pro Person pro Jahr. Entwicklungsländer auf der anderen Seite wie Algerien haben einen Fleischkonsum von 18,3 kg pro Jahr. Das heißt, wenn wir annehmen, dass sich der Wohlstand in den letzten und den nächsten Jahren vergrößern wird, dann müssen wir ebenso annehmen, dass der Fleischkonsum nach oben geht.

Country Kg/person (2002) Kg/person (2009)[10]
 Algeria 18.3 19.5
 American Samoa 24.9 26.8
 Angola 19 22.4
 Argentina 79.7 98.3
 Australia 108.2 111.5
 Austria 94.1 102
 Bangladesh 3.1 4
 Burundi 3.5 5.2
 Canada 108.1 94.3
 Denmark 145.9 95.2
 France 101.1 86.7
 French Guiana 13.2 14.6
 Germany 82.1 88.1
 India 5.2 4.4
 Japan 45.9 45.9
 Spain 118.6 97
 United States of America 123 120.2
 Zambia 11.9 12.3

Die komplette Tabelle kann auf Wikipedia nachgelesen werden.

Weitere Entwicklungen zur Ernährung

Kaku schätzt eine Stabilisierung der Weltbevölkerung auf 11 Milliarden Menschen. Derzeit sind 38 Prozent aller Landflächen der Erde mit Lebensmitteln bebaut. Wobei wir in den 60ern 80 Prozent der Erdfläche benötigt hätten. Vertikale Farmen in Wolkenkratzern werden kommen. Darin werden Hydrokulturen betrieben werden. Parabolspiegel werden das Sonnenlicht hineinleiten. In diesen„Pflanzenfabriken“ werden Angestellte 20 Mal im Jahr Salat ernten. Für die Nahrung wird es keine Transportkosten mehr geben, da die Pflanzenwolkenkratzer in der Nähe der Großstädte stehen. Hier ein Beispiel wie in den Niederlanden bereits existierende Technologie eingesetzt werden soll, um autarke Dörfer herzustellen.

Soviel zu der Frage nach der Ernährung zunächst. Im nächsten Artikel wird es um die Frage der Körpergesundheit gehen. Wie werden wir unseren Körper in Zukunft „behandeln“?

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